Das Richtfest ist eines der besonderen Ereignisse, wenn Bauherren und -herrinnen sich den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllen. Und jede(r) weiß, das Richtfest folgt nach Fertigstellung des Dachstuhls. Wie ein Dachstuhl auszusehen hat, welches Holz für den Bau verwendet wird und welche verschiedenen Arten von Dachstühlen es gibt, damit kennen sich aber die wenigstens Hausbauenden aus, deswegen heißt es: „Was sollte ich über den Dachstuhl (m)eines Hauses wissen?“
In der Regel benötigt der Großteil der Häuser einen Dachstuhl, schließlich leistet die Konstruktion unterhalb der Dacheindeckung einen wichtigen Beitrag für ein sicheres Haus. Neben seinem Eigengewicht trägt er noch Lasten von Schnee, Regen oder sogar Photovoltaikanlagen und natürlich auch die Dacheindeckung an sich. Aber, nicht jedes Haus benötigt einen Dachstuhl. Vielmehr kommt es auf die Konstruktion des Daches an. Häuser mit Flachdach benötigen beispielsweise keinen Dachstuhl.
Wer also ein gedecktes Dach baut, benötigt auch einen Dachstuhl als Unterkonstruktion. Es werden verschiedene Arten von Dachstühlen unterschieden und häufig begegnen den Hausbauenden die Begriffe „Pfetten“ und „Sparren“.
Die Sparrenkonstruktion gehört zu der traditionellen Bauweise. Hier werden die einzelnen Balken auf beiden Seiten des Daches von unten außen nach oben hin innen verbunden, sodass sie sich quasi gegenseitig abstützen. So entsteht die typische Schrägform beim Steildach, auch als Dreiecksform bekannt.
Werden zwischen den Sparren noch Längsbalken eingesetzt, die sogenannten Pfetten, dann stützen diese die Sparren zusätzlich und bilden gemeinsam mit ihnen eine stabile Konstruktion. Je nach Positionierung der Pfetten werden Fuß-, Mittel- oder Firstpfetten unterschieden.
Im Allgemeinen werden drei Konstruktionen für den Dachstuhl unterschieden. Je nachdem, ob der Hausbauende ein ausgebautes Dachgeschoss oder offen gelegte Balken wünscht, mit den unterschiedlichen Bauweisen ist (fast) alles möglich.
In Deutschland wird mit am häufigsten das sogenannte Sparrendach gebaut − und das nicht ohne Grund, denn die Konstruktion ist verhältnismäßig einfach und somit auch günstig umzusetzen. Diese Konstruktionsart zeichnet sich durch seine hohe Stabilität aus und wird in der Regel bei Dachneigungen zwischen 30 und 60 Grad realisiert. Ein Sparrendach besteht dabei aus den Balken, die auf der letzten Geschossdecke angebracht werden und den senkrecht zueinander verlaufenden Sparren links und rechts des Daches, die die typische Dreiecksform ergeben. Um eine optimale Statik zu gewährleisten, werden die Sparren in einem Abstand von 75 bis 100 Zentimeter gesetzt und mit dem Dachbalken verbunden. Die Dachlatten werden dann quer zu den Sparren angebracht und später wird darauf die Dacheindeckung befestigt.
Viele Hausbauende entscheiden sich aus unterschiedlichen Gründen für das Pfettendach. Auch wenn dieses dem Sparrendach stark ähnelt, zeigt es Unterschiede im Aufbau. Im Gegensatz zum Sparrendach wird das Gewicht nicht über die gegenüberliegenden Sparren, sondern über die Pfetten abgeleitet. Als Pfetten werden die Längsbalken unterhalb der Sparren bezeichnet, die zusätzliches Gewicht und somit auch eine höhere Stabilität gewährleisten können. Beim Pfettendach werden zusätzlich Fuß-, Mittel- und Firstpfetten nach ihrer Position im Dachstuhl unterschieden.
Möchten Hausbauende ihr Dachgeschoss ausbauen, sollten sie sich noch mal genau über die Vor- und Nachteile des Pfettendachstuhls informieren.
Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass das Kehlbalkendach eine Sonderform des Sparrendaches darstellt. Vor allem vor dem 19. Jahrhundert war diese Konstruktionsart sehr beliebt in Mittel- und Nordeuropa. Danach wurde es vom Pfettendach abgelöst. Das Kehlbalkendach überzeugt dabei mit seinen waagerechten Kehlbalken (Spannriegeln), die die gegenüberliegenden Sparren miteinander verbinden. Dadurch wird das Durchbiegen der Sparren vermieden und trotzdem eine große Fläche unterhalb der Konstruktion erzeugt, weswegen sich das Kehlbalkendach optimal für den Dachausbau eignet. Zudem können größere Spannbreiten realisiert werden, ohne das zusätzliche Stützbalken integriert werden müssen.
Im Gegensatz zur klassischen Sparrendachkonstruktion bietet das Kehlbalkendach maximale Stabilität bei richtiger Ausführung.
Es gibt eine große Auswahl an Hölzern für den Dachstuhl. In der Regel werden für den Dachstuhlbau Fichten- oder Kiefernholz gewählt. Die Nadelhölzer überzeugen dabei mit ihrem minimalen Gewicht, ihrer einfachen Verarbeitung und ihrer Stabilität, was hier natürlich besonders wichtig ist. Fichtenholz im Speziellen zeichnet sich durch seine hohe Festigkeit und die günstigen Rohstoffkosten aus. Kiefernholz wird wie Fichte auch wegen seiner Tragfähigkeit und der leichten Verarbeitung häufig eingesetzt.
Möchten Bauherren und -herrinnen die Balken sichtbar lassen, dann können sie zu Lärchenholz greifen, das ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch langlebig.
Aber nicht nur die Auswahl des Holzes ist entscheidet, sondern auch auf die richtige Menge für den Dachstuhlbau kommt es an. Hier gilt es, einen Profi zurate zu ziehen, dieser kennt sich durch sein Know-how mit den richtigen Berechnungsgrundlagen aus.
Wer sich während des Bauens an die Traditionen halten möchte, der veranstaltet nach Fertigstellung des Dachstuhls ein Richtfest. Hier wird von einem Zimmermann der bunt geschmückte Richtkranz angebracht. Der Bauherr beziehungsweise die Bauherrin bedanken sich bei allen am Bau Beteiligten und befreundeten Helfern und Helferinnen. Dieser Brauch wird bereits seit dem 14. Jahrhundert durchgeführt, um das Haus und seine Bewohner sowie Bewohnerinnen vor Schäden zu schützen und ihnen ein langes und glückliches Leben zu bescheren. Nachdem der Richtspruch gesprochen wurde, wird das leer getrunkene Schnapsglas zu Boden geworfen – wenn es dabei zu Bruch geht, dann ist das ein gutes Zeichen für die Zukunft der Bewohner und Bewohnerinnen des Hauses.
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